Schwäche zeigen ist im Business nicht sehr beliebt – besonders unter Männern, aber auch viele Frauen treten (immer noch) sehr taff auf, um mit all den Alphas um sie herum mithalten zu können.

Erscheinungsformen davon sind u.a.: auf seinem Standpunkt beharren, Entscheidungen durchdrücken, seine Meinung bloß nicht später mal ändern, oder gar Fehler eingestehen… und noch schlimmer: nachfragen, um Hilfe bitten!

Ich finde, das hört sich inzwischen sehr archaisch an und fast frage ich mich, ob ich zurück in der Zeit gereist bin oder irgendwie die Entwicklung verschlafen habe. Leider nein.

Während es in einigen Unternehmen und Teams inzwischen durchaus wahrhaft freundlich, offen und kooperativ zugeht – der Einzelne wird in seinen Stärken wahrgenommen, und die Stärken aller ergeben ein sehr produktives Ganzes – wird in vielen, besonders großen Unternehmen immer noch darauf geachtet, bloß nirgends eine Schwäche, eine Lücke zu zeigen. Ein Team besteht trotz der team-orientierten Prozesse eigentlich nur aus Einzelkämpfern.

Dabei wird „um Hilfe bitten“, „nachfragen“, ein „Ah, stimmt, das müssen wir dann wohl doch anders machen“, oder mal „sorry, das schaffe ich wirklich nicht mehr“ als Schwäche interpretiert – aber warum eigentlich? Gehört nicht viel mehr Mut dazu, dies einzugestehen? Sich als nicht allwissend zu zeigen?

Klar, haben wir uns mit relativ leeren Sprüchen und ständigen Drohgebärden eine gewisse Position gesichert, so ist es natürlich umso schwerer davon abzulassen. Zu groß ist die Angst, dass „die anderen“ den Schummel bemerken. Aber, die gute Nachricht ist: Das haben sie schon längst! Denn so stumpf sind nur noch sehr wenige, dass sie nicht hinter eine solche Fassade schauen könnten. Von daher kann man sich auch in dieser Position entspannen und einfach mal ehrlich sein – es wird für alle Beteiligten viel harmonischer und vor allem ermöglicht es endlich offene und produktive Zusammenarbeit.

Wirklich mutig ist, wer dies tut in einem Unternehmen, in dem alle anderen noch „alpha“ ticken oder noch so tun – aber auch hier lohnt es sich. Denn irgendjemand muss mal mit anfangen, und meistens findet man sehr schnell Nachahmer, Mitmacher und neue Verbündete. Falls nicht, würde ich mir die Frage stellen, ob ich denn nicht besser an einem anderen Ort aufgehoben bin. So oder so fühlt man sich selbst viel besser dabei.

 

Wie man damit auch im Kleinen beginnen kann, darüber schreibe ich in einem der nächsten Blogs.

 

Vielen Dank fürs Zuhören!

Boris